“Pille wurde zum Medikament gegen die Krankheit 'Frausein'”
Ein Kommentar in der britischen Zeitung The Independent beklagt zum 50. Jahrestag der Antibabypille die negativen körperlichen und psychischen Folgen des Medikaments für die Frauen. Die Journalistin Holly Grigg-Spall, die selbst zehn Jahre lang die Pille genommen hatte, übt heftige Kritik an der verbreiteten ärztlichen Praxis, die Pille allen Frauen gedankenlos zu verschreiben.„Die Pille wird Frauen mit Akne, PMS, unregelmäßiger oder starker Menstruation gegeben. Die Pille ist zu einem Medikament gegen die Krankheit 'Frausein' geworden. Statt die Gesellschaft zu ändern, hat die Gesellschaft entschieden, die Frauen 'in Ordnung zu bringen'.” Obwohl die Pille in den Kommentaren zum 50er in den Medien durchwegs als „Befreiung der Frau” gefeiert werde, sei ihre eigene Erfahrung mit der Pille – Stimmungsschwankungen, Depressionen, Libidoschwäche, Energielosigkeit, Ängste – „nicht gerade befreiend” gewesen, schreibt Grigg-Spall.
Bereits im April hatte die Historikerin Elaine Tyler May in einem Kommentar für die New York Times festgehalten, dass die vor 50 Jahren geäußerten Hoffnungen gegenüber der Pille samt und sonders nicht erfüllt worden sind. Weder habe das Verhütungsmittel die Armut abgeschafft, noch Scheidungen oder uneheliche Schwangerschaften eliminiert, erinnert sie. Gleichzeitig schreibt May – auf etwas naive Weise - der Pille zu, dass “eine Frau nicht mehr zwischen Familie und Karriere wählen” müsse. Was sie dabei übersieht: Die Probleme für die Arbeitswelt tauchen eben erst dann auf, wenn die Frau die Pille nicht (mehr) nimmt und Mutter wird.